Im eigenen Zuhause professionell betreut werden, das ist der mehrheitliche Wunsch von Menschen, die pflegerische und/oder medizinische Versorgung brauchen. Das Rote Kreuz stellt dafür auch in der Steiermark ein hochqualifiziertes Angebot zur Verfügung. Gisela Ambrosch, die stellvertretende Landespflegedienstleiterin, gibt Einblick in die „Pflege daheim“.

Wie viele Menschen versorgt der mobile Pflegedienst des Roten Kreuzes in der Steiermark?
Gisela Ambrosch: Wir betreuen im Rahmen von „Pflege daheim“ derzeit rund 3.000 Klient:innen pro Monat. Dafür sind knapp 700 Mitarbeiter:innen im Einsatz – in 22 Teams und 11 Bezirken der Steiermark. Die Teams setzen sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen; da gibt es diplomiertes Pflegepersonal, Pflegefachassistent:innen, Pflegeassistent:innen, Heimhelfer:innen und Alltagsbegleiter:innen. Die Rahmenbedingungen dafür, welche Berufsgruppe was machen darf, werden vom Land Steiermark genau vorgegeben.
Welche Leistungen werden konkret erbracht?
Ambrosch: Alles, was in den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege fällt und was vom niedergelassenen Hausarzt angeordnet wird. Das reicht von der Wundversorgung über Infusionen, Injektionen bis zur Katheterpflege.
Wie kommen Pflegebedürftige zu diesen Leistungen?
Ambrosch: Da gibt es verschiedene Wege. Mehrheitlich läuft der Kontakt über den jeweiligen Hausarzt oder die Hausärztin. Klient:innen melden sich aber auch selbst – oder deren Angehörige. Auch über das Entlassungs-Management der Kliniken und die Pflegedrehscheibe des Landes Steiermark werden Adressen vermittelt. Fällt der Klient in unseren regionalen Zuständigkeitsbereich, erfolgt durch eine/n Diplom-Gesundheits- und Krankenpfleger:in die Kontaktaufnahme und die Erhebung des Pflegebedarfs.
Wie erfolgt die Finanzierung?
Ambrosch: Mehr als 51 Prozent der anfallenden Kosten werden vom Land Steiermark übernommen, rund 22 Prozent steuern die Gemeinden bei und rund 25 Prozent muss der/die Klient:in selbst finanzieren. Etwa zwei Prozent kommen von der Österreichischen Gesundheitskasse dazu – und zwar in Form einer Pauschale für die medizinische Hauskrankenpflege.
Pflege Zuhause ist ein besonders sensibler Bereich. Wie wird die Qualität gesichert?
Ambrosch: Auch hier gibt es ganz klare Vorgaben. Zum einen seitens des Bundes – über das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz- und zum anderen über die erwähnten Förderrichtlinien des Landes. Sie sind an fixe Qualitätskriterien gebunden. So wird etwa die Erhebung des Gesundheitszustandes und Pflegebedarfs über ein valides Assessment abgewickelt – mit acht Doppelseiten an Fragen. Das ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien. Ein weiterer Qualitätsgarant ist die Tatsache, dass ausschließlich qualifizierte Mitarbeiter:innen aufgenommen werden. Um diesen Level zu halten, sind jährliche Fortbildungen verpflichtend. Außerdem wird direkt bei den Klient:innen die sogenannte Klient:innenzufriedenheit erhoben – anonym wie auch über das diplomierte Pflegepersonal während ihrer Pflegevisite. Diese ist vom Land Steiermark vorgeschrieben und verpflichtend einmal im Jahr durchzuführen.
Welche Entwicklungen nehmen Sie im mobilen Pflegebedarf wahr?
Ambrosch: Immer mehr ältere und hochbetagte Menschen leben allein. Da wird professionelle Hilfe verstärkt notwendig werden. Und mit dem weiteren Anstieg der Lebenserwartung wird auch die Zahl von chronisch und geriatrisch erkrankten Menschen weiter steigen. Es wird also einen noch höheren Bedarf an mobiler Pflege geben.
Was sehen Sie als die größte Herausforderung für die (mobile) Pflege?
Ambrosch: Ein ganz großes Thema ist der Fachkräftemangel – das wird in den nächsten Jahren sicher immer schwieriger zu bewältigen sein.
Was macht das Rote Kreuz für Pflegepersonal besonders attraktiv?
Ambrosch: Das Rote Kreuz hat allen voran einmal ein sehr gutes Image. Bei uns arbeitet man in professionellen Teams mit bestens ausgebildeten Kolleg:innen zusammen – nach den Werten des Roten Kreuzes. Wir nehmen auch sehr stark Rücksicht auf die private Situation der Mitarbeiter:innen. So können etwa auch junge Mütter gut in der mobilen Pflege arbeiten.
Ihr diesbezüglicher Appell an die Gesellschaft?
Ambrosch: Wer allein lebt, sollte sich rechtzeitig klar machen, welche Hilfe im Bedarfsfall gewünscht ist – eine Wohngemeinschaft, ein Tageszentrum oder eine Pflegeeinrichtung? Und: Angehörige sollten sich so früh wie möglich bei uns melden, um präventive Möglichkeiten abzuwägen, wie etwa Einkaufshilfe, Sturzprävention oder Adaptierungen in der Wohnung. Meist werden wir nämlich erst kontaktiert, wenn die betroffene Person bereits bettlägrig ist.
Wenn es einmal notwendig sein sollte, wie würden Sie gerne gepflegt werden?
Ambrosch: Ich finde eine Alters-WG mit Pflegebeauftragten am reizvollsten. Im englischen und skandinavischen Raum gibt es das bereits. Ein Modell, das mir auch für das Rote Kreuz vorschwebt.
Kontaktdaten österreichischen roten Kreuzes Steiermark
Mobile Pflege und Betreuung 050 1445 / 10202
24-Stunden-Personenbetreuung 0800 222 800
Betreutes Wohnen 050 1445 / 10250
Seniorentageszentren 050 1445 / 10202
Besuchs- und Begleitdienste 050 1445 / 10156
Entgeltliche Einschaltung
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